Sep 27

Fahrbericht: Porsche Panamera

Porsche Panamera vorn„Dickschiff“

schnippelt

Küstenstraßen und

hat wenig Durst

Von Lothar Dönges

Porsche und Dieselantrieb: vor nicht allzu langer Zeit noch fast undenkbar. Porsche als Familien-Limousine mit vier Türen und großem Gepäckraum: für Sportwagen-Enthusiasten und Freunde der Auto-Schmiede ein Unding. Ein Porsche ist für die Rennstrecke gebaut, hat entsprechende Fahrwerte, zwei Sitze für Fahrer und Beifahrer (hinten bestenfalls zwei Notsitze fürs Gepäck), zwei Türen und nicht vier und röhrt, dass einem der Hut hoch geht. Basta!
Porsche Panamera hintenDas alles stimmt immer noch – nur nicht mehr so ganz. Selbst im SUV-Bereich sind die Zuffenhausener längst sehr erfolgreich, und mit dem Panamera haben sie eine Familienkutsche auf die Räder gestellt, die alle Vorurteile widerlegt und selbst mit dem vor wenigen Jahren noch undenkbaren Dieselantrieb ein Porsche durch und durch ist.
Wir waren schon oft mit dem legendären Elfer und dem trendigen Boxster unterwegs – mit einem „echten“ Porsche eben.
Dieses Mal war der Gardasee in Norditalien unser Ziel und das mehr als fünf Meter lange „Ungetüm“ Panamera Gran Turismo unser fahrbarer Untersatz. Um es gleich vorweg zu sagen: Im auto-verrückten Ferrari-Land ging mehr als einmal der Daumen am Straßenrand beim rollenden Flanieren hoch. Porsche fahren bedeutet halt immer noch, ein außergewöhnliches Fahrzeug bewegen, um das der Fahrer beneidet und anerkannt wird.
Attraktives Familienauto, 
das sportliche 
Gene nicht verheimlicht
Bewusst hatten wir uns für den Panamera Dreiliter-Sechszylinder-Turbodiesel mit 300 PS entschieden. Und damit für ein hoch-attraktives Auto, das Porsche-Feeling vermittelt, gleichwohl aber voll alltagstauglich ist. In sechs Sekunden sprintet der so motorisierte Panamera aus dem Stand auf hundert Stundenkilometer, der Vortrieb endet erst bei knapp unter 260 km/h. Die optimierte Fahrdynamik, das Fahrwerk und das automatische Achtgang-Tiptronic-Getriebe (auch manuell am Schalthebel oder über Schaltwippen am Lenkrad zu bedienen) wurden speziell auf den Gran Turismo abgestimmt.
Das alles ergänzt sich optimal mit den Leistungsdaten des Motors, für den 6,4 Liter Spritverbrauch/100 Kilometer und 169 g/km CO2-Ausstoß im Datenblatt stehen – ermittelt unter optimalen Bedingungen.
Auf deutschen Autobahnen erreichten wir eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 150 km/h, jenseits der Grenze von 130 km/h – und waren überrascht. Wir – zwei Erwachsene mit entsprechend Gepäck – errechneten 7,9 Liter Spritverbrauch/100 Kilometer, im Stop-and-go auf italienischen Landstraßen sogar nur 7,2 Liter. Günstige Werte, die wir so nicht erwartet hätten.
Ebenso wenig, wie die möglichen sportlichen Fahrwerte des „Dickschiffs“, das selbst auf engen italienischen Küstenstraßen durch die Kurven zirkelte, dass es eine wahre Wonne war.
Bei alledem stellte sich das Gefühl ein, im fahrenden Wohnzimmer unterwegs zu sein. Die Innenausstattung des Panamera ist vom Feinsten. Auf allen Plätzen herrscht Oberklasse-/Premiumqualität.
Das gilt auch für den „Arbeitsplatz“ des Fahrers. Wer einmal einen Porsche Panamera ArmaturenPorsche-Sportwagen gefahren ist, findet sich auch im Panamera problemlos zurecht. Der Neukunde erschrickt vielleicht vor den auf der Mittelkonsole links und rechts der Schalteinheit sitzenden Knopfreihen und den darüber am Dachhimmel angebrachten Bedienschaltern. Sie sind aber so logisch aufgebaut, dass der Fahrer schon nach wenigen Kilometern alles im Griff hat.
Gewöhnungsbedürftig ist lediglich die Größe des Fahrzeuges, in der Länge wie in der Breite. Im Land der Kleinwagen und der sehr kompakten Sportwagen sind zumindest die Parkhäuser auf den stattlichen Deutschen nicht ausgerichtet. Und so waren wir ein weiteres Mal überrascht, dass unser Panamera Italien, seine engen Gässchen und vor allem die Parkhäuser absolut kratzer- und dellenfrei überstand. Sonst wär’s auch ein teures Vergnügen gewesen, denn bei einem Kaufpreis von annähernd 90 000 Euro in der Basisausstattung rechnen sich auch kleine Rempler schnell in ungeahnte Höhen.
Eines jedenfalls bleibt haften: Der Panamera ist – auch oder gerade als Diesel – ein außergewöhnlicher Porsche, damit ein außergewöhnliches Auto, das bestens zu einer der interessantesten Landschaften südlich der Alpen passt. Und nicht nur dort.

Fotos (3): Lothar Dönges

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